Mit Hund unter Läufern, Teil 7: Zuschauer-Reaktionen

Eine Frage des Geschmacks

„Oh, schau mal, das ist ja ein Hübscher!“ Die äußerst attraktive Zuschauerin zeigt auf meinen Hund und mich, neben ihr steht ihre nicht weniger attraktive Freundin. Beide schauen uns an, ich lächle zurück und weiss genau: jetzt brauchst Du ein ganz dickes Fell! Wer mit Hund unter Läufern unterwegs ist, dem bleibt oft gar nichts anderes übrig, denn für ein Kompliment diesen Kalibers bin generell nicht ich, sondern der Hund der Adressat. So jedenfalls meine bisherigen Erfahrungen (leider). Die Verlockung, sich jetzt auf hallervord´sches Niveau herunterzulassen und mit einem gezielten „Danke, aber der Hund schaut auch nicht übel aus, oder?“ zu kontern ist groß. Ebenso die Gefahr, dass diese Antwort vielleicht gar nicht verstanden wird. Also lasse ich es – in der Regel – lieber gleich bleiben.

Wer mit Hund unter Läufern unterwegs ist, der fällt auf. Man gehört zu einer Minderheit und zieht entsprechend Zuschauerkommentare an. Wir müssen uns kein sinnbefreites Raupenkostüm oder ähnliche Maskerade zulegen, wie es manch andere Marathon-Spaßläufer praktizieren.

Die Favoriten

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Ganz egal, wo der Lauf stattfindet: die Zuschauerkommentare ähneln sich überall. Unter den Klassikern haben Top-Platzierungen auf Ewigkeit gebucht: „Der zieht dich ja!“, „Das ist doch Doping!“ oder als Frage formuliert „Wer zieht hier eigentlich wen?“. Hier vermutet der Zuschauer wohl, dass der Hund für eine bessere Finisher-Zeit missbraucht wird. Um den Unterschied zwischen einem gemütlichen Marathon-Begleithund und einem knallharten Canicross-Reißer zu erklären, fehlt leider meist die Zeit. Deshalb wähle ich gern die wahrscheinlich freundlichste Art, um letztgenannte Frage zu entkräften: „Wir sind ein Team – wir wechseln uns beim ziehen ab.“ Platt, aber wirkungsvoll.

Auch sehr beliebt ist die Aussage „Der trägt ja gar keine Start-Nummer!“ Ich stelle mir dann immer vor, wie ich verzweifelt versuche, mit Sicherheitsnadeln meinen Hund zu piercen. Dem Zuschauer geht es dabei vermutlich darum, dass der Hund keine Startgebühr bezahlt und deshalb nummernfrei unterwegs ist. Ich kontere dann für gewöhnlich mit „Die Nummer hält bei ihm so schlecht, die muss ich für ihn tragen“ oder „Ich trage seine Start-Nummer, ich bin nur der Hase“ (Anm. Bei einem Marathonlauf ist der „Hase“ der Tempomacher eines Eliteläufers).

Sinnfreie Frage

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Auch sehr beliebt bei Zuschauern ist die Frage „Wer ist von Euch denn zuerst im Ziel?“. Wenn nicht alle Leinen reißen, dann sollte die Antwort eigentlich klar sein: mein Hund ist gut 2 Meter, also eine Leinenlänge, vor mir im Ziel. Was sonst?

Aus Spaß wurde Ernst

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Wenn ich mit unserem Jack Russell unterwegs bin, darf ich mir oft den Kommentar: „Schafft der das, mit so kurzen Beinen?“ anhören. Dahinter könnte auch ein bisschen die Angst stecken, ich würde meinen Hund hier überfordern. Vor allem dann, wenn eine Aussage wie „Der arme Hund“ mitschwingt. Dass der Hund keinesfalls „arm“ ist, nur weil er seiner Art entsprechend genügend Bewegung bekommt (ein JRT ist ein Jagdhund), ist nicht für jeden Zuschauer sofort ersichtlich. Viele kleine Hunde fristen in unserer Gesellschaft ein Schatten- bzw. Sofa-Dasein, welches weit weniger artgerecht als eine mehrstündige Bewegungseinheit einzustufen ist. Ich muss mit meiner Lieblings-Antwort auf die eingangs erwähnte Frage etwas vorsichtig sein („Seltsam, beim Start waren seine Beine noch viel länger“).

„Der arme Hund friert ja!“ Wenn die Oberschenkel unseres Jack Russels zittern, dann wird diese Terrier-Unruhe sehr gern falsch interpretiert. Auch das dicke Fell unserer Husky-Hündin wird gern eindimensional mit einer wärmenden Winterjacke verglichen. In Wirklichkeit ist der Sibirier mit einer dichten Unterwolle, welche hervorragend Kühlflüssigkeit literweise speichert, auch im Sommer sehr gern und viel unterwegs, im Winter weiss sie den Platz direkt vor dem Holzofen zu schätzen.

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„Ein Husky muss immer viel laufen, stimmt´s?“ „Ja, das stimmt, weil wenn ein Husky nicht läuft, dann fällt er um.“

Gute Nacht & bis zum nächtsten Mal,

Bernd, LRT.

2 Kommentare


  1. Toller Bericht!
    Wie sich die Aussagen doch wiederholen – so bzw. ähnliche begegnen mir auf unseren Läufen auch.
    Es freut mich aber besonders, wenn auch mein Hund im Ziel eine Medallie bekommt (und ich dann die Urkunde 😉

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  2. Den „Dopingvorwurf“ kenne ich auch. Meine Antwort: „Steht auf keiner Dopingliste und ist weder im Urin noch im Blut nachweisbar“

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