Von der Mülltonne auf die Canicross Rennbahn

Im Oktober 2016 hatten wir das grosse Vergnügen, (während einer Rennveranstaltung in der Französischen Bourgogne) Isabell und ihre Hunde kennzulernen. Sie erzählte uns eine Geschichte die uns nicht nur beeindruckte, sondern auch sehr bewegte. Die waschechte Münchnerin lebt in Frankreich und besucht uns zum VulCanicross im April. Isa nennt ihre „Story“: Von der Mülltonne auf die Rennbahn…könnte aber auch heissen: Wenn die Augenfarbe scheissegal ist!

Zughundesport macht etwas mit uns

Am 21.3.2014 hat der Entschluss, meinen Abfall in einen Strassenmüllcontainer zu werfen, mein Leben von einem Tag auf den anderen schlagartig verändert.

Ich öffnete den Deckel der Mülltonne und sah entsetzt zwei leblose Welpen in einem Karton. Diese beiden Leben hatten gerade begonnen und waren schon wieder zu Ende. Plötzlich fing einer der beiden zu fiepen an. Oh mein Gott!!!!

Ich stelle den Karton auf den Beifahrersitz und wärmte die beiden kleinen Würmer mit meiner Jacke.

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Ich hatte ja bereits einen Galgo und einen Whippet, war also nicht unbedingt darauf vorbereitet, zwei Welpen zusätzlich zu bekommen!

Gerade 3 Tage alt

Vor der Arbeit fuhr ich also noch zum Tierarzt, der die beiden noch blinden Welpen auf 2-3 Tage schätzte und ihnen viel Wärme und Muttermilchersatz verordnete. Ich informierte meine Mutter, die die beiden beim Tierarzt abholte und zu Hause betreute, während ich arbeiten musste.

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Als ich von der Arbeit kam, musste ich feststellen, dass der Kleinere der beiden gar nicht trinken wollte, dafür aber ganz schlimme Atembeschwerden hatte. Im Laufe des Abends wurde es immer schlimmer, so dass ich mich entschloss, mitten in der Nacht in die Notaufnahme der nächsten größeren Tierklinik zu fahren.

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Hier wurde festgestellt, dass der Kleine Milch in die Lunge bekommen hatte, was eine Lungenentzündung ausgelöst hatte. Sein kleines Leben stand auf der Kippe. Die Tierärztin entschied sich, ihn über Nacht im Brutkasten zu behalten, ich sollte in der Früh anrufen, ob er es geschafft hatte. Aber mein kleiner Jack war immer schon ein Kämpfer! Er hatte es geschafft, ich heulte vor Freude.

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Die nächsten Tage bestanden aus Fläschchen geben, Bäuchlein putzen und Babys warmhalten. Die Whippethündin meiner Mutter hatte sie als ihre eigenen Jungen adoptiert, sie kümmerte sich hinreißend um die beiden. Fremde Leute durften nicht mal ansatzweise in ihre Nähe!

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Die kleinen Müllmänner wuchsen und gediehen fröhlich und stellten unser Leben und das Haus auf den Kopf. Dachten wir am Anfang noch, es seien vielleicht Bordercollies, da beide schwarz-weiß waren und einer der beiden leicht welliges Fell hatte, wurden wir mit ihren unaufhaltsam wachsenden Ohren eines besseren belehrt. Das werden wohl Jagdhunde….Eigentlich wollte ich die Beiden nur mit der Flasche großziehen und dann gute Familien finden, da ich mit meinen beiden Hunden schon ausgelastet war, aber wer nimmt in Südfrankreich schon Jagdhunde – nur Jäger. Damit war entschieden, dass ich die beiden Müllmänner behalten wollte.

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Nun gut, die Whippetmutter hat Spaß beim Agility, warum nicht auch die beiden Beagle-Mixe? Aber da stand uns ihr überbordendes Temperament im Weg, wir würden in keiner Hundeschule gerne gesehen werde, ihre Kraft und Lebensfreude war kaum zu bändigen. Wie lastet man aber Jagdhunde aus? Auch stundenlange Spaziergänge mit an der Leine zerrenden Jung-Pöblern machten mir nicht gerade wirklich Spaß.

Canicross – ein Job für die „Müllmänner“

Nun waren sie ein Jahr alt, ich fing schon an etwas zu verzweifeln, aber ich liebe diese beiden kleinen Hunde wirklich sehr, also musste ich irgendeinen Sport finden, der uns alle glücklich macht. Hier half Google weiter: nach einiger Internet-Recherche stieß ich auf Canicross! Das schien doch vielleicht eine Lösung zu sein! Und in zwei Wochen gab es in der Nähe eine Veranstaltung, ich schrieb uns daher gleich mal ein. Geschirr hatten wir, ziehen an der Leine war auch schon auch perfektioniert, musste ich nur noch eine elastische Leine flechten und einen Gurt nähen. Wir waren bereit! So starteten wir ohne jedes Training bei unserem ersten Canicross – und wurden Dritte!

Jetzt war es um uns geschehen – es wurde trainiert. Das erste Jahr lief ich noch, aber ich liebäugelte immer mit den Bikern…. Das gefiel mir schon sehr. Voller Bewunderung und Ehrfurcht sah ich mir die Starts an: man musste schon arg Kamikaze für sowas sein, oder?

Außerdem hatte die alle “Ponys”, meine Hunde sind ja nur ein Drittel so groß…. Trotzdem kaufte ich mir ein Bike am Jahresanfang, und versuchte es. Himmel, sind die schnell! Aber es machte uns wirklich Spaß, also starteten wir im April zu unserem ersten Bikejöring-Wettbewerb. Und – wieder mal Dritte!

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Immer wieder schafften wir es im Laufe diesen Jahres aufs Treppchen, und jedes Mal ist es für uns wie ein kleiner Sieg über das Leben, das für meine beiden Helden so unwürdig angefangen hatte.

Lächelten die Leute anfangs noch über meine Zwerge, werden wir mittlerweile “ernst” genommen. Highlights dieses Jahres waren definitiv die Trophée Sud Bourgogne und das Championnat de France, das wir mit einem 33ten Platz von 50 Startern beendeten. Wie immer war mein Jack der Kleinste. Aber die Größe sagt nichts über die Größe des Herzens aus, und das haben meine Beiden.

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In 2017 sind unter anderem der VulCanicross in Deutschland und die Trophée de Montagnes geplant, wir wollen das Maximum an Bewegung mit Freude haben. Klar können wir nicht mit Alaskans oder Greystern mithalten, aber Spaß haben wir, und das nicht zu knapp.

Danke, meine Jungs, irgendwie habt ihr mich auch gerettet. Sport war für mich nie ein Thema, durch euch habe ich eine völlig andere Einstellung zu Sport bekommen und viel Spaß dabei erfahren und nebenbei auch noch viele neue Freunde gewonnen. Jack und Jesse – danke für den ganzen Wahnsinn und Spaß!

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Anne Fulleringer (franz. Champion Bikejöring) :

« Ich habe Isa und ihre beiden kleinen Jagdhunde beim Canicross kennengelernt. Die Geschichte der beiden Brüder, die in einer Abfalltonne gefunden wurden, hat meine Bewunderung für diese beiden kleinen Kämpfer nur noch verstärkt. Sicher sind diese Hunde klein, aber welche Stärke!

Man muss sie vor einem Bike oder beim Canicross gesehen haben um zu verstehen, dass die Größe nicht alles ist. Der Kopf ist alles bei diesem Sport und diese kleinen Jagdhunde haben wirklich alles verstanden!

Viele Leute glauben, dass nur Hunde wie Huskys klasse mit einem Geschirr arbeiten können, aber Jack und Jesse beweisen das Gegenteil.

Ich kann nicht sagen, ob es bei den beiden der Spaß an der Freude oder die Liebe zur ihrer Besitzerin ist, aber sie geben beim Rennen wirklich alles!

Nebenbei sind es auch noch ideale “Haushunde”. Man muss nur beobachten, wie sie sich mit ihrer Besitzerin verhalten, um davon überzeugt zu sein. Kurz ein klasse Trio, das wir immer wieder gern auf Rennen treffen”

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Manon Richand (läuft hin und wieder Canicross mit Jesse, sind zusammen oft auf dem Treppchen):

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“Jesse ist nur von der Körpergröße klein. Er ist voller Gier aufs Laufen, was man an seiner Erregung am Start und seinem Spaß, in jeder Disziplin alles zu geben, sieht. Er überrascht durch seine Stärke und der Gleichmäßigkeit, mit der er läuft. Er ist das ganze Rennen mit mir und unterstützt mich, vom Start bis zur Ziellinie. Er hat sich trotzdem seine kleine Prinzen-capricen erhalten, er will sich auf keinen Fall in Pfützen die Pfötchen nassmachen! “

Jesse James

Der Wahnsinn im Beagle Fell. Hat nur Unsinn im Kopf, ist aber beim Rennen (und am Fressnapf) 100prozentig da. Die Pfoten dürfen auf keinen Fall nass werden!

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 Jumping Jack Flash

Der Professor. Will alles richtig machen, gibt alles beim Rennen, ist am Start kaum zu bändigen. Ein absoluter Kampfschmuser im Haus!

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Trotz Allem will ich aber auch meinen Whippet „Leo“ Haragorn Doll nicht unerwähnt lassen, der jetzt mit seinen 4 Jahren auch angefangen hat, begeistert Canicross zu laufen. Danke, meine Jungs!

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Ich habe keine Ahnung wie es euch geht wenn Ihr das lest? Mich berührt und inspiriert diese Geschichte sehr…und irgendwie passt sie in die Weihnachtszeit. Danke Isa dass es Dich gibt :-), wir freuen uns auf den VulCanicross

Euer Pfotenläufer Peter

3 Kommentare


  1. Ja, eine Weihnachtsgeschichte, definitiv. Musste ein Tränchen abwischen. Manchmal meint es das Schicksal gut mit den Tieren und Menschen. Alles gute für dieses Hunde-Mensch-Rudel.

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  2. Bei unsere Kleinen war der Anfang nicht ganz so dramatisch, da ein Spanier sie vom Müll erst zu sich mit nach Hause genommen hatte.
    Dafür bekam unser Andalusien-Herbst-Urlaub vor 4 Jahren durch die kleine Chica aber eine spontane Wende und wir waren plötzlich Hundebesitzer.
    Seitdem haben wir beim Sport viel Spaß zusammen und Chica kann sich mit ihren 9 kg gegen die etwas größere Konkurrenz sehr gut behaupten.

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